Home Verkehr TGV verliert Marktanteile

Um den schnittigen Hochgeschwindigkeitszug TGV (Train à Grande Vitesse) wurde Frankreich in aller Welt einst beneidet. Der Zug, der mit 320 km/h Passagiere im Rekordtempo quer durch die Grande Nation brachte, war lange Zeit nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern auch ein rentables Geschäft für die Betreiber. Doch gerade die ständige Modernisierung und der Ausbau des teuren TGV-Netzes führten dazu, dass der TGV nun in die roten Zahlen fährt. Auf einen Nenner gebracht bedeutet das: zu langsam, zu teuer, überdimensioniert.

Das bittere Urteil fällte nun nach einer eingehenden Analyse der französische Rechnungshof: Der TGV verliert Marktanteile und ist ein echtes Verlustgeschäft sowie eine hohe Belastung in wirtschaftlichen Krisenzeiten, die auch Frankreich aktuell durchlebt. Ein Grund für die Misere ist das viel zu engmaschige TGV-Netz. Ein wirtschaftliches und verkehrspolitisches Kalkül spielte dabei keine wichtige Rolle. Vielmehr erfüllten sich gewisse Verantwortliche ein innenpolitisches Wunschdenken.

Mit dem Ausbau des Netzwerkes wurde automatisch das traditionelle Netz der Nahverkehrs- und Regionalbahnen Transilien und TER vernachlässigt. Es bestünde zwar auch die Möglichkeit für den regionalen Schienentransport den TGV zu nehmen, doch wegen der bis zu 40 Prozent höheren Preise tut das niemand. Derzeit sind in das TGV-Netz mehr als 230 Haltestationen integriert, wodurch die tatsächliche Fahrtgeschwindigkeit um ein Vielfaches herabgesetzt wird. Zeitweise fährt der TGV selbst auf dem klassischen Schienennetz. Mit Einsparungen und einem verminderten Komfort wollen die Betreiber der Misere nun entgegentreten.