Home Gastgewerbe Heidelberg: Hotels mit steigenden Übernachtungszahlen

Ach ja, Heidelberg. „Wie es singt und lacht“? – Nein, das war Mainz. „Zum Blauen Bock mit Äppelwoi und Lia Wöhr“? – Auch wieder falsch, das war Frankfurt. „The Student Prince“? – Schon besser. Es kommen noch japanische und amerikanische Touristen hinzu und ein perfekt erhaltenes Stadtzentrum, fertig ist die romantische Idylle mit studentischen Bierkellern namens Heidelberg. An dieses Bild fügt sich nahtlos die Erfolgsmeldung an, wonach die Stadt letztes Jahr auf 1,2 Millionen Übernachtungen kam und dank dieses Rekords nach Ansicht des Geschäftsführers des Tourismusvereins ‚Heidelberg-Marketing‘ Mike De Vries „die stärkste Stadtmarke Baden-Württembergs“ sei. Schlimm, dass Städte zu ‚Marken‘ werden, jenem bescheuerten Begriff des Werber-Sprechs, den der Manager gleich im Satz davor nochmal beschwor mit der „… Attraktivität der Standortmarke Heidelberg“. Im Interview mit der Marke Rhein-Neckar-Zeitung vertraute Markenanzugträger De Vries der Öffentlichkeit mit markigen Worten noch an, dass Heidelberg mit 51,6 Prozent Bettenauslastung hinter der Standortmarke Baden-Baden den zweiten Platz im Ranking markiere.

Wirklich überraschend in diesen statistischen Kapriolen aus Baden-Württemberg ist lediglich, dass der Inbegriff altertümlicher Studentenromantik in den Übernachtungszahlen nur knapp vor Mannheim liegt, das 1,19 Millionen in seine Betten locken konnte. Mike De Vries wäre kein Werber, wenn er den Zuwachs von mehr als zehn Prozent in den Übernachtungszahlen seit 2013 nicht auch auf sein neues Marketing- und Kommunikationskonzept zurückführen würde, „mit dem wir sehr effizient arbeiten“ – etwa bei der Markierung von Stadtmarken. Er habe dabei nicht nur den Tourismus im Fokus, sondern im Sinne eines ganzheitlichen Standortmarketings Bereiche wie Wissenschaft, Medizin und Kultur in die Maßnahmen „massiv“ integriert. Das klingt wahrlich markant.

Es zeigt sich aber, dass das Herz des Tourismus-Vermarkters Mike De Vries erst dann zu bluten aufhört, wenn er sein Konferenzzentrum bekommt: „Für das Portfolio eines führenden Wissenschaftsstandortes ist ein international wettbewerbsfähiges Konferenzzentrum ein Pflichtbestandteil.“ Woran dann wieder ein „angeschlossenes Hotel mit entsprechenden Kapazitäten“ angeflanscht werden müsste. Damit keine Fehlinterpretation unterschlüpft, beeilt sich der Geschäftsführer von ‚Heidelberg-Marketing‘ zu versichern, dass „die Großen den Kleinen nicht das Wasser abgraben“, aber diese „kleinen“ Hotels müssten sich „in der Zukunft marketingmäßig weiterentwickeln und anders ausrichten“, wozu auch die aktive Mitarbeit in Netzwerken wie dem Heidelberger Verkehrsverein oder dem Citymarketingverein ‚Pro Heidelberg‘ gehöre. Wo man sie als Marketing-Guru wohl besser kontrollieren kann…

Bildquelle: © André Mouraux – Flickr.com