Home Aktuell Terror in Tunesien: Viele Tote bei Anschlag

Rund zehn Kilometer von Sousse in Tunesien entfernt liegt die kleine Hafenstadt Port El-Kantaoui. Das Stadtbild wird geprägt von Restaurants, Künstlern und Souvenirgeschäften. Das Ferienzentrum mit Golfplatz und Jachthafen ist Treffpunkt zahlreicher Touristen und wird auch gehobenen Ansprüchen gerecht. Am 26. Juni 2015 erschütterte ein Terroranschlag diesen idyllischen Ferienort im Golf von Hammamet im Mittelmeer. Nach offiziellen Angaben erschoss ein Attentäter 38 Menschen und verletzte 36 weitere. Unter den Toten sind Deutsche, Briten, Belgier sowie Tunesier. Dies wurde von der Regierung in Tunesien bereits bestätigt.

Zentrum des Anschlags war das Hotel Imperial Marhaba sowie das benachbarte Hotel El Mouradi Palm Marina. Das Hotel Imperial Marhaba gehört zur Hotelkette RIU und wird von einer spanischen Familie gemeinsam mit dem Reiseveranstalter TUI betrieben. Es wird in Deutschland exklusiv von der TUI vermittelt.

Augenzeugenberichten zufolge schoss ein Attentäter mit einem Maschinengewehr der Marke Kalaschnikow auf dem Badestrand vor den Hotels auf Touristen, ehe er in den Poolbereich vordrang. Hier soll er mehrere Handgranaten in Richtung Pool und Direktionsbüros geworfen haben. Im Zuge des folgenden Schusswechsels wurde der Attentäter von Sicherheitskräften erschossen.

Rafik Chelly, der tunesische Sicherheitsstaatssekretär berichtet, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Studenten handeln würde, der der Polizei bislang nicht bekannt sei. Er solle aus der Region von Kairouan stammen. Chelly teilte dem Radiosender Mosaïque FM – einer der wichtigsten seiner Art überhaupt in Tunesien – mit, dass der Attentäter nicht aufgefallen wäre, weil er selbst wie ein Tourist ausgesehen hätte, der nur baden gehen wollte. Das Gewehr war unter einem Sonnenschirm versteckt, den der Täter mit sich trug. Innerhalb weniger Minuten hatte sich das Urlaubsparadies in ein Horrorszenario verwandelt. Das Attentat ist bislang der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte des Landes.

Via Twitter bekannte sich am Tag nach dem Attentat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu dem Anschlag. In der Nachricht hieß es, dass ein „Soldat des Kalifats den abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens“ angegriffen habe. Es handelte sich nach dem Anschlag in Tunis bereits um den zweiten im heurigen Jahr. Für den bereits schwer angeschlagenen Tourismus in Tunesien ist dies ein weiterer schwerer Schlag. In der Zwischenzeit hat der Reisekonzern TUI begonnen, Urlauber aus Tunesien in die Heimat zurückzuholen. Ein TUI-Sprecher sagte dazu, dass bereits in der Nacht zum 27. Juni 2015 80 Menschen ausgeflogen wurden. Im Laufe des Wochenendes folgten 120 weitere Reisende. Das Unternehmen schickte zusätzlich ein Krisenteam mit Experten und Psychologen in die tunesische Region. Urlauber, die bei der TUI eine Reise nach Tunesien für diesen Sommer gebucht haben, können diese gebührenfrei umbuchen oder auch stornieren. Bislang machten aber kaum Gäste von diesem Angebot Gebrauch.

Die Regierung des nordafrikanischen Staates kündigte an, entschlossen gegen den Terrorismus vorzugehen. Urlauberhotels sowie archäologische Stätten werden ab sofort von Soldaten bewacht. An die 80 Moscheen sollen im Laufe dieser Woche geschlossen werden. Es handelt sich dabei um jene Moscheen, in denen das Gedankengut der Terrormiliz „IS“ verbreitet wird. Habib Essid, der tunesische Ministerpräsident sagt dazu: „Wir mögen den einen Kampf gewinnen und den anderen Kampf verlieren, aber unser Ziel ist es, den Krieg zu gewinnen.“ Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte in einem Telefonat mit Präsident Essibsi deutsche Unterstützung zu. Auch der britische Premier David Cameron kündigte einen entschlossenen Kampf gegen den Terror an.